Projekt Pikaia

Pikaia ist die Bezeichnung für einen Urfisch aus dem kambrischen Meer, den man sich als einen wurmartigen Schwimmer von ca. 5 cm Länge vorstellen kann. Er gilt heute als eines der ersten Wirbeltiere aus dem Kambrium von vor ca. 545 – 595 Millionen Jahren.
PIKAIA ist auch der Arbeitstitel einer raumfüllenden Installation, die Darius Monser zunächst für die BBK-Galerie im Kulturspeicher Würzburg entwickelte.
PROJEKT PIKAIA deutet daraufhin, dass mit dieser Ausstellung (im Zusammenhang mit dem Debütantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst 2003) keine abgeschlossene Arbeit entstanden ist.
„Das Wort »Projekt« steht nicht als modischer Bestandteil, vielmehr ist es die Bezeichnung für eine natur- und situationsbezogene Kunstaktion, die ich jetzt starten werde.”

Die erste Präsentation dieser Installation besteht aus Modulen, welche auf den ersten Blick nur formal durch ihre blau-grau-grüne Farbgebung zueinander in Beziehung stehen.
Den Mittelpunkt stellen drei überdimensionale, eiförmige Lichtobjekte dar. Sie sind mit Industrieschläuchen verbunden, die sich durch den Raum schlängeln und scheinbar aus einer hinteren Sicht-Beton-Wand heraustreten.
Um diese Objekte sind ein Boot mit Ruder, ein aufgespannter Panzermantel, ein schwarzes Ei sowie Fotografien an einer Wand angeordnet.
Dieser erste Ausstellungsort ist gekennzeichnet durch seine Nähe zum Main. Monser dokumentiert mit den Fotos eine Ankunftssituation mit seinem Boot und präsentiert sich so als Künstler, der mittels seiner Objekte eine Botschaft überbringt, gleichzeitig auch eine Aufforderung ausspricht, sich mit ihm auf eine Art Expedition bzw. Forschungsreise zu begeben. Tatsächlich mutet das Arrangement der Module im Raum an ein surreales Forschungslabor.


Hier scheint das PROJEKT PIKAIA in die Zukunft mit seinen surrealistischen Andeutungen und verschiedenen Science-Fiction-Komponenten zu weisen. Den Reiz der Installation allerdings stellt der Bezug in die Vergangenheit dar. Die Reproduktion eines abgelegten, normannischen Panzermantels aus dem 12. Jahrhundert und die Andeutung an den Ursprung menschlicher Existenz durch das Urfischchen rühren an eine Bilderwelt des Betrachters, die ihn Zeit-Räume neu erlebbar machen lassen.
Die ausgestellten Objekte strahlen in ihrer handwerklichen Fertigung eine fast ausdruckslose Perfektion aus, die tatsächlich eine Steigerung der Ausdruckskraft bewirkt.
Zur Fertigung der Eikörper stellte Monser mathematische Berechnungen nach Euklid an. Anschließend konstruierte er zu deren Produktion eine spezielle Vorrichtung, durch die es möglich war, die Ei-Form mittels Rotation kontrolliert entstehen zu lassen.
Das Boot wurde strömungstechnischen Bedingungen optimal angepasst.
Jedes Detail im Schuppenpanzer sowie an anderen Konstruktionsteilen wurde eigenhändig mit größter Präzision gearbeitet.
Trotzdem bleibt der Bezug zum Organischen erhalten. Das Element des Wassers ist überall latent spürbar.

Die flexiblen, weichen Verläufe der Versorgungsschläuche lassen eine Wirbelsäule, mehr noch eine Nervenbahn, eine Nabelschnur, wenn nicht sogar ein Spermium assoziieren. Die Bewegung im Raum, die durch die ästhetische Wirkung der Schläuche hervorgerufen wird, wird durch die Leichtigkeit der übertrieben langgezogenen Form des Bootes aufgegriffen. Das Ruder wirkt wie eine Aufforderung zu Tatkraft und Vorwärtsbewegung.

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