Darius Monser – Allegorien menschlicher Befindlichkeit

Figurative Bildhauerei war seit den Anfängen der Kunst zumeist eine zeitraubende Angelegenheit. Aus Stein oder Holz eine Gestalt entstehen zu lassen, erfordert auch heute, wo mechanische Hilfsmittel zur Hand sind, einen gewissen Aufwand an Zeit. Leichter haben es da aus Ton oder Gips aufbauende Künstler, oder jene, die sich des leicht zu bearbeitenden Styropors als Vorstufe etwa eines Bronzegusses bedienen. Darius Monser, der von der Technik zur Kunst gefunden hat, benutzt bevorzugt Glasfaser-verstärktes Polyesterharz, Beton, Metall und immer wieder auch serienmäßig hergestellte Fertigteile, ready-mades wie zum Beispiel Abluftschläuche aus der Industrie. Und Licht, welches das Dreidimensionale verstärkt, farbig sein kann oder in den umgebenden Raum ausstrahlt. Gelegentlich tritt Kinetisches hinzu: Das Objekt verharrt nicht starr am Ort, sondern dynamisiert ihn.

Mit Darius Monser begegnen wir einem zeitgenössischen Künstler, der kein „Bild-Hauer” im traditionellen Sinne ist, keiner, der aus einem Block oder Stamm etwas heraus haut (was nach der bekannten Künstler-Anekdote „sowieso schon drin ist und nur freigelegt werden muss”) – Darius Monser ist vielmehr ein Plastiker. Formen, modellieren, etwas aus weicher Masse gestalten, so lautet die ursprüngliche Bedeutung des griechischen Wortes „plassein”. Monser hat Plastik für sich als Material entdeckt. Seine Kunst wird, wie er selbst betont, „in die Form gezwungen”. Bei den neuesten Arbeiten entstehen zunächst Skizzen, dann Modelle, schließlich – „bis es passt!” eine Grundform, von der ein Negativ als Gussform abgenommen wird; dann kommt der flüssige Polyester zum Einsatz, Fasern schwimmen, und mit der Verfestigung schließt der Prozess der Formgebung ab. Aus den so gewonnenen Einzelteilen entsteht letztendlich die Gesamtkomposition der phantastischen Objekte.


Soweit zum Äußeren. Wo liegt die inwendige Qualität? Welche Position nimmt der Künstler ein? Wie lautet die Aussage? –
Ich glaube, es geht Darius Monser in allen seinen Werken, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick auch wirken mögen, um das höchste Ziel der Kunst, nämlich um die humanistische Grundidee von der Befindlichkeit des Individuums in seinem Dasein. Seine Arbeiten müssen als Beiträge zur Werte-Diskussion gesehen werden. Vom Leben in der Natur geht eine ungehörige Faszination aus, und dennoch existiert eine andauernde Beklemmung, die auf der Bedrohung durch Gewalt und Krieg, auf allzu unkritischem Umgang mit der Technik beruht. Der Kriegsgott Mars, ein antikisierender leerer (!) Helm, der in der gleichnamigen Arbeit in einem Computermonitorgehäuse aufscheint, versinnbildlicht in aller Deutlichkeit den Wahn gewalttätiger Auseinandersetzungen einst wie heute. Die Kopf-, sprich: Hirnlosigkeit verweist auf Sprachlosigkeit, auf die Unfähigkeit zur Kommunikation und damit auf die Unmöglichkeit, Konflikte zu lösen.

Form und Aussage gehen bei Darius Monser eine gelungene Synthese ein. Er betreibt keine gesellschaftspolitische Agitation, sondern wählt für seine Messages den Weg des Allegorischen in der künstlerischen Sprache unserer Zeit.


Professor Dr. Josef Kern
Kunsthistorisches Institut der Universität Würzburg